Vestenburger Stolln

Relikt gibt interessanten Einblick in Auer Bergbaugeschichte

Hier oben am Parkweg 17 am Heidelsberg bietet sich ein wunderbarer Ausblick auf die Stadt. Gar nicht weit davon befinden sich die Kaue und das Mundloch des Oberen Vestenburger Stollns. Die Grubenanlagen wiederum, bieten einen interessanten Einblick in die Auer Bergbaugeschichte. Der Obere Vestenburger Stolln besitzt seit Mitte der 1990er Jahre den Status eines Besucherbergwerks. Der „Historische Bergbauverein Aue e.V.“ hat seiner Zeit mit Hilfe von ABM – Mitarbeitern, der Stadtverwaltung Aue und verschiedenen Institutionen ein Denkmal für den Bergbau der Stadt geschaffen. Immerhin gab es am Heidelsberg einmal 240 Schächte, Schürfe und Stollen, wie der Knappschaftsälteste des Vereins, Bodo Schmidt berichtete. Das Erz der Begierde war Zinn. Ab etwa 1680 war die Fundgrube in Betrieb. 1804 verstummte das „Berggeschrei“. Um die fünf Bergleute haben immer in der Grube gearbeitet. Zu Reichtum ist dabei keiner von ihnen gekommen. Rund eine Stunde dauert ein Rundgang durch das Stollensystem mit Abbauen, Suchstrecken und Blindschächten, die so bezeichnet werden, weil sie keine Verbindung nach Übertage besitzen. Bergmeister Reiner Sieg verweist auf einen solchen Schacht der 22 Meter in die Tiefe auf den Tiefen Vestenburger Stolln führte. Für rund 300 Meter Besucherweg hat das Bergwerk erstaunliche viele Besonderheiten aufzuweisen. Da sind die Klüfte im Fels, die nicht etwa durch den Bergbau entstanden sind, sondern auf die erdgeschichtliche Entstehung zurückgehen. Herrliche Quarzgänge, teilweise mit wunderschönen Kristallen machen auf sich aufmerksam. Eine Steigerstube zeigt eine Werkzeug- und Gezähesammlung. Reiner Sieg, von Beruf Eisenbahner und seit 25 Jahren Hobbybergmann, zeigt zudem auf die Ausläufer von Kaolin. Etwa zwei Kilometer vom Besucherbergwerk entfernt befand sich die Weißerdenzeche St. Andreas. Hier ist 1668 erstmals die weiße Erde, das Kaolin, gefunden worden. Die Grube war bis Mitte des 19.Jahrhunderts fast alleiniger Lieferant des Rohstoffs für die Porzellanmanufaktur in Meißen.
Der Obere Vestenburger Stolln war übrigens mit einer Steinplatte verdeckt und ist erst durch eine intensive Suche wiederentdeckt worden. Ehe hier ein kleines aber feines Besucherbergwerk entstanden ist, haben die Bergbauenthusiasten akribisch und unter vielen Entbehrungen hart gewerkelt. 1993 begannen die Aufwältigungsarbeiten. Trockenmauern wurden gesetzt, Teilweiser Holzausbau und eine Abdeckung der Wasserseige waren notwendig. Ebenso wurde eine Beleuchtung installiert. Viel Wert ist vor allem auch darauf gelegt worden, das historische Ambiente der Grube zu erhalten. Aufwand erfordert auch die Unterhaltung des Bergwerkes durch den 1995 gegründeten Verein unter den Fittichen von Vorsitzenden Andreas Schwarczenberger. Sehenswertes gibt es auch Übertage. Ein Kleinod ist der Knappschaftssaal des Vereins, der Ende der 1990er Jahre aus einer alten Kegelbahn entstanden ist. Der Raum ist urig wie ein Stolln gestaltet. Der Besucher fühlt sich hier wie in einem richtigen Bergwerk. Andreas Schwarczenberger verweist darauf, dass die attraktiven Räume auch für private Veranstaltungen gemietet werden können. Eine Grubenbahn vor dem Gebäude mit einer Doppellok aus dem Wismutbergbau ist ein Geschenk von den Gebirgsjägern, die einst in Schneeberg stationiert waren. Richtig anheimelnd präsentiert sich auch die Kaue über dem Mundloch des Besucherstollens. Sie macht allemal neugierig auf eine geheimnisvolle Untertagewelt. (lomü)

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